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Stadt und Raum, 23. Jahrgang, Juni 2002

Zum Beispiel die "Fuchswerke"...

Es gibt viele Darstellungen von Beispielen zur Wiedernutzung brach gefallener Flächen (vgl. z.B. Breuer u.a. 2000, Feldtkellner 2001, Selle 2000). Wir möchten hier ergänzend zwei Flächen aus dem Beobachtungsbereich des Bürgerbüros Stadtentwicklung Hannover vorstellen:

Titelbild Stadt und Raum- Sie gehen auf private Initiative zurück und kommen ohne nennenswerte öffentliche Hilfen aus. Das scheint uns angesichts der Kassenlage  bei Kommunen, Ländern und Bund von besonderer Bedeutung zu sein.
- Mit ihnen werden nutzungsgemischte Vorhaben realisiert, die typisch städtische Qualitäten bei hohem Wohnwert anbieten und so Alternativen für das Wohnen vor der Stadt bieten können.

"Leben und Arbeiten unter einem Dach" charakterisiert die Umgestaltung der ehemaligen Fuchswerke. Ein eng verflochtenes Miteinander von Wohnen und Arbeiten schwebte dem Ingenieur Rolf Häcker vor, als er 1994 die fast hundert Jahre alten Fabrikhallen im hannoverschen Stadtteil Badenstedt kaufte. Seitdem baut er die Gebäude überwiegend in Eigenarbeit und ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand um. Mittlerweile hebt sich das knapp ein Hektar große Gelände mit den Backsteinbauten und dem grünen Innenhof wie eine Oase vom Einheitsgrau des umliegenden Gewerbegebietes ab.

Der Umbau ist Grundsatz geleitet, ökologische Baustoffe zu verwenden sowie weitgehend das alte Material (gusseiserne Heikörper, Türen, Backsteine etc.) zu recyclen. In den ehemaligen Hallen befinden sich heute flexibel nutzbare Einheiten mit großzügigen Räumen, denen man bis in die restaurierten Details den Fabrikcharakter noch ansieht. Die Vermietung erfolgt sukzessive mit der Fertigstellung der Räume. Aus den Mieteinnahmen ergeben sich dann die Finanzierung für die nächste Umbau-Etappe und weitere Investitionen.

Die vier Gebäudekomplexe werden zur Zeit von 32 Betrieben und Initiativen genutzt: das Spektrum reicht von Künstlern über Handwerker bis zu Unternehmensberatern und Werbefachleuten. Sogar für einen hinduistischen Tempel bieten die ehemaligen Fuchswerke Platz. Die Miete liegt je nach Ausbauzustand und Eigenleistung durch die Nutzer bei drei bis fünf Euro pro Quadratmeter. Insgesamt wohnen und arbeiten 60 Menschen auf dem Gelände.

Eine wichtige soziale Funktion kommt der großzügigen und üppig begrünten Freifläche im Innenhof zu. Wegen der gelungenen Gestaltung und intensiven Nutzung erhielt das Gelände den ersten Platz beim Innenhof- und Wohnumfeldwettbewerb der Stadt Hannover.

Zum Gelingen des Vorhabens hat neben dem starken Engagement des Besitzers auch dessen Bereitschaft beigetragen, vieles erst im Umbauprozess zu lernen. In der achtjährigen Umbauzeit wurden ca. 1 Mio. Euro investiert; zu Beginn erfolgte dies kreditfinanziert, inzwischen übersteigen die Mieteinnahmen die Ausgaben. 400 von insgesamt 6.000 qm Gebäudefläche sind noch auszubauen; die Nachfrage ist groß...